Leistungen der Pflegeversicherung

Allgemein

Der ab dem 1. Januar 2017 geltende Pflegebedürftigkeitsbegriff wird im § 14 Abs. 1 Sozialgesetzbuch (SGB) XI wie folgt definiert:
„Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.“

Pflegebedürftig ist, wer körperliche, kognitive, psychische oder gesundheitliche Belastungen nicht selbstständig kompensieren kann. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate und mit mindestens der in § 15 SGB XI festgelegte Schwere bestehen.

Maßgeblich für das Vorliegen von Pflegebedürftigkeit sind die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten in den nachfolgenden sechs Bereichen:

  1. Mobilität
    (Wie selbstständig kann der Mensch sich fortbewegen und seine Körperhaltung ändern?)
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
    (Wie findet sich der Mensch in seinem Alltag örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen? Kann die Person Gespräche führen und Bedürfnisse mitteilen?)
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
    (Wie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen, wie etwa aggressives oder ängstliches Verhalten?)
  4. Selbstversorgung
    (Wie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag selbst versorgen bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken?)
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
    (Welche Unterstützung wird benötigt beim Umgang mit der Krankheit und bei Behandlungen? Zum Beispiel Medikamentengabe, Verbandswechsel, Dialyse, Beatmung?)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
    (Wie selbstständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen?)

Aufgrund einer Gesamtbewertung aller Fähigkeiten und Beeinträchtigungen erfolgt die Zuordnung zu einem der fünf Pflegegrade.

Begutachtungsinstrument
Quelle: MDS Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen

Pflegegrad

Pflegegrad Übersicht
Quelle: MDS Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen

Pflegegrade

Was ist der Pflegegrad? Der Pflegegrad bildet die Schwere der Pflegebedürftigkeit ab. Er drückt aus, wie stark die Selbstständigkeit oder die Fähigkeiten beeinträchtigt sind, und entscheidet damit über die Art und Höhe der Leistungen, die die Bedürftigen von der Pflegeversicherung erhalten.Pflegegrad Beschreibung

Pflegegrade und Punktzahlen

  • Pflegegrad 1 ab 12,5 Punkten
  • Pflegegrad 2 ab 27 Punkten
  • Pflegegrad 3 ab 47,5 Punkten
  • Pflegegrad 4 ab 70 Punkten

Pflegegrad 5 ab 90 Punkten Es gibt eine sogenannte besondere Bedarfskonstellation: Die Gebrauchsunfähigkeit beider Arme und beider Beine. Das bedeutet, dass ein vollständiger Verlust der Greif-, Steh- und Gehfunktionen vorliegt. Pflegebedürftige mit einer
besonderen Bedarfskonstellation, die einen spezifischen, außergewöhnlich hohen Hilfebedarf mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung aufweisen, werden in den Pflegegrad 5 eingestuft. Auch, wenn weniger als 90 Punkte erreicht werden.

Leistungsbeträge ab 2017

Ab 1. Januar 2017 gelten die folgenden Beträge für Leistungen aus der Pflegeversicherung. Die Höhe der Leistungen richtet sich nach den ermittelten Pflegegraden.

Leistungen Pflegegrad
*) Pflegebedürftige in Pflegegrad 1 können für die Finanzierung von Pflegesachleistungen, der teilstationären Pflege und der Kurzzeitpflege den sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat nutzen. Monatlich nicht verbrauchte Beträge können innerhalb eines Kalenderjahres angespart und bis zum 30. Juni des Folgejahres verbraucht werden.